VEB Nähmaschinenteilewerk – Werksführung mal solo

Nach dem Besuch der Elbtalzentrale vor ein paar Monaten brannte es mir natürlich unter den Nägeln, und ich wollte endlich wieder was Verlassenes fotografieren.

dc_Nähmaschinenwerk_3_17  EOS 50D (35mm, f/8, 1/50 sec, ISO800, -1 EV, Blitz: nein) 

Auf das Objekt der Begierde hatte ich bei meinen Spaziergängen mit Kinderwagen schon lange ein Auge geworfen. Ganz in der Nähe meines Wohnortes liegt diese alte Fabrik. Eingebettet zwischen jeder Menge sanierter Wohnhäuser sticht dieses Gebäude ziemlich hervor.

Mit einem bißchen Recherche konnte ich einiges über das Gebäude herausfinden. Laut Wikipedia gehörte es der Nähmaschinenteile-AG oder kurz Nähmatag mit Sitz in Kötzschenbroda/Radebeul. Nach Kriegsende wurden hier hauptsächlich Schiffchen für Industrienähmaschinen gefertigt, vor dem Krieg produzierte die 1918 aus einer Fusion hervorgegangene Gesellschaft neben den Schiffchen hauptsächlich „Bestandteile für alle auf dem Markt befindlichen Systeme von Haushalts-, Gewerbe- und Industrienähmaschinen“ und hatte sich auf eben diese Teile, von denen der Großteil exportiert wurde, spezialisiert.

dc_Nähmaschinenwerk_2_9  EOS 50D (24mm, f/8, 1/15 sec, ISO800, -1 EV, Blitz: nein) 

dc_Nähmaschinenwerk_3_5  EOS 50D (17mm, f/8, 1/200 sec, ISO800, -1 EV, Blitz: nein) 

Die Gebäude des Hauptsitzes in Radebeul stehen nicht mehr, an dieser Stelle wurden 2012 nach Abriss der verfallenen Industriebauten neu Wohnhäuser errichtet. Als ich durch Zufall erfahren hatte, dass für das Gebäude in Dresden Ende des Jahres eine Sanierung geplant ist, war der Entschluss zur Besichtigung kurz und schmerzlos gefasst.

Die notwendigen Zugänge zum Gelände waren schnell ausgemacht, niedergetretene Zäune rings um das Gebäude zeugen zumindest von regen Besuchen in der Vergangenheit. Im Gebäude selber gab es, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, genau eine verschlossene Tür. Was jetzt noch fehlte war ein Termin, an dem alle, die mit mir bei der letzten Tour dabei waren, Zeit hatten. Dies stellte sich als verdammt schwierig heraus.  Und so kam es, wie es kommen musste – es war ideales Fotowetter und keiner hatte (auf längere Sicht) Zeit. Mir blieb also nichts anderes übrig, als wohl oder übel alleine dahin zu gehen.

dc_Nähmaschinenwerk_2_10Ich muss zugeben, ein bißchen Bammel hatte ich schon. Zum einen wegen der Gefahren, vor allem durch marode Gebäudeteile, und zum anderen wegen der möglichen Entdeckung durch Andere. Wahlweise auch wegen der Möglichkeit, im Gebäude auf unangenehme Zeitgenossen zu treffen.

Und so achtet man dann auf jedes noch so kleine Geräusch, horcht, ob da nicht Schritte zu hören sind usw. In einem Haus, in dem alles Mögliche an Einrichtung durch nicht vorhandene Fenster und Türen vom Wind hin- und herbewegt wird und klappert und Geräusche macht, natürlich ein Unterfangen mit einigen Schreckmomenten. Die Tour alleine zu machen hat sich auch ein bißchen auf die Qualität der Bilder ausgewirkt.

Zwar hatte ich ein Stativ dabei, aber da ich der Meinung war, jederzeit schnell verschwinden zu müssen, blieb dies die ganze Zeit eingepackt. Dementsprechend musste ich mit höherer Empfindlichkeit fotografieren, was dann teilweise sichtbares Rauschen zur Folge hatte. Manchmal waren die Lichtverhältnisse auch so schwierig, dass dann noch die Verschlusszeit rapide abnahm, und manche Bilder dadurch eine Verwacklungsunschärfe bekamen.

dc_Nähmaschinenwerk_3_22  EOS 50D (17mm, f/8, 1/80 sec, ISO800, 0 EV, Blitz: ja) 

dc_Nähmaschinenwerk_3_12  EOS 50D (30mm, f/8, 1/80 sec, ISO800, 0 EV, Blitz: ja) 

dc_Nähmaschinenwerk_1_17  EOS 50D (47mm, f/8, 1/50 sec, ISO800, -1 EV, Blitz: nein) 

Der Zustand der Gebäude ist ziemlich arg, an vielen Stellen sind Löcher im Dach, was man vom zweiten Obergeschoss dann bis ins Erdgeschoss sehen kann, da die Löcher teilweise bis runter durchgehen. An ein Betreteten der großflächigen Produktionsräume mit den Holzfußböden war dort nicht zu denken. Die Treppenhauskonstruktionen, durch welche man die Räume erreicht, sind hingegen noch gut in Schuß, sodass man wenigstens vom Vorraum aus ein paar Fotos machen konnte. Einrichtung war so gut wie gar keine mehr vorhanden, lediglich im Keller standen noch ein paar Kessel im Heizungsraum. Erstaunlicherweise waren aber noch reichlich Kabel vorhanden, und an den Wänden hingen noch jede Menge intakter Spiegel.

Von anderen Websites wusste ich, dass es irgendwo Büros im Gebäude geben musste, in denen man allerlei Schriftverkehr bewundern konnte. Nach langem Suchen habe ich diesen Bereich auch gefunden. Besagte Papiere lagen allerdings mit jeder Menge anderem Zeug, wie Zeitschriften und Büchern; zusammen auf einem Haufen und waren teilweise arg in Mitleidenschaft gezogen. Trotzdem konnte man einige Sachen lesen, die einen heutzutage nur schmunzeln lassen.

dc_Nähmaschinenwerk_4_15  EOS 50D (28mm, f/8, 1/80 sec, ISO800, 0 EV, Blitz: ja) 

Da auch bei dieser Tour reichlich Fotos entstanden sind, und dies hier in dem Beitrag gehörig den Rahmen sprengen würde, habe ich wieder einige Galerien im Punkt „Lost Places“ hinzugefügt. Diese können auch direkt hier unter Teil 1, Teil2, Teil 3 und einer Galerie für den Schriftverkehr erreicht werden.

Ein kleines Detail am Rande sollte nicht unerwähnt bleiben – dass die Sanierung schon angefangen hat oder zumindest in Vorbereitung ist, konnte ich recht deutlich sehen. In einem der Büroräume standen ein paar Pakete „frischer“ Dachlatten rum, ein paar Tage später waren diese nicht mehr dort, sondern an einigen Fenstern als Rahmen für Gaze eingebaut.

dc_Nähmaschinenwerk_3_2_Beitrag  EOS 50D (85mm, f/8, 1/20 sec, ISO800, -1 EV, Blitz: nein) 

dc_Nähmaschinenwerk_3_1_Beitrag  EOS 50D (17mm, f/4.5, 1/125 sec, ISO800, -1 EV, Blitz: nein) 


Jetzt ist erstmal Herbst und Winter mit entsprechend kurzen Tagen, da bleibt für die verlassenen Orte nicht viel Zeit. Aber demnächst werde ich bestimmt wieder unterwegs sein und hier dann ein paar schöne neue Fotos präsentieren.

Kommentare Add Yours

  1. Cornelia Kleinschmidt

    Hier hab ich meine Ausbildung gemacht,kommen gute Erinnerungen hoch ,waren schöne Zeiten.

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